Ein vogtländischer Weltbürger mit Sitz im Paradies
Text: André Zeidler
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In Ermangelung eines treffenderen Begriffes müsste man Tobias Möckel als „Weltenbummler“ bezeichnen. Denn die Bezeichnung ist nicht präzise – zumindest nicht für jemand, für den das Pendeln zwischen Treuen, Hong Kong, Taiwan, China und den Philippinen Gewohnheit ist. Ruhezeiten gönnt sich der vielengagierte Weltbürger kaum; eine unerschöpfliche Dynamik zwingt ihn stets zu produktiver Unruhe. Tobias Möckel ist Heimatverbundener und homme du monde gleichermaßen. Er lebt diesen Gegensatz seit nunmehr fast dreizehn Jahren intensiv. „Zeit meines Lebens war ich von einer unternehmerischen Unruhe befallen. Bereits als Student zu DDR-Zeiten habe ich alles und nichts probiert – von der Herstellung elektronischer Türschlösser bis hin zur Etablierung einer leicht bekleideten Showtanzgruppe“, erinnert sich der Treuener schmunzelnd, „bis ich durch meine damalige Flucht aus der DDR in das Privileg der Freiheit kam.“ Zunächst ging der Elektronikingenieur einige Jahre als Produktmanager nach München, bis sich sein unbedingter Drang nach Selbstbestimmtheit 1993 endgültig durchsetz-te. In kurzer Zeit gründete er unter anderem die heute marktführenden Firmen GETT und InduKey in Treuen. Schon während der Gründungs- und Wachstumsphase der Unternehmensgruppe bereiste er zahlreiche Länder aller Kontinente auf der Suche nach neuen Vertriebs- und Produktionspartnern. Messen und Meetings führten ihn von Frankreich bis Australien, von Schweden bis Südafrika und von Taiwan bis Brasilien. Persönlich lag ihm aber immer schon Asien, genauer Hong Kong, am Herzen. Für die frühere britische Exklave empfand er vom ersten Besuch an eine tiefe Verbundenheit. Die Herzlichkeit der Menschen, die kulturelle Vielfalt und die fernöstliche Mentalität entsprachen seiner Vorstellung einer harmonischen Lebensumwelt. Eine glückliche Allianz aus individueller Neigung und betriebswirtschaftlichem Kalkül ließ ihn immer wieder dorthin zurückkehren. „Hong Kong ist für mich die schönste Stadt der Welt. Viele Kulturen leben ohne jeden Rassenhass zusammen, die Stadt ist so sauber und sicher. Das öffentliche Verkehrsnetz ist hervorragend. Und als Wanderfreund genieße ich auch die 340 km gut ausgebauten Wanderwege, meist am Sonntag. Danach geht es zu einem kühlen „Warsteiner“ in meine Stammkneipe „Schnurrbart“, schwärmt Tobias Möckel für die Wirtschaftsmetropole. Schon bald avancierte Hong Kong für ihn zum Sprungbrett in weitere Teile Asiens. Chinas boomende Wirtschaftszone des Pearl River Deltas wurde ein weiteres Betätigungsfeld. In Guangzhou werden auf sein Betreiben hin viele Bestandteile der elektro-mechanischen Komponenten für GETT-Produkte hergestellt. Das Know-how und den notwendigen Qualitätsgedanken implementierte er dort in einem speziellen Fertigungsunternehmen. Seine Verflechtungen in chinesische Unternehmerkreise sind dabei erstaunlich. Gewöhnlich dauert es sehr lange, bis ein Ausländer wirklichen, privaten Zugang zu den Menschen findet. Diese besondere Ehre wurde ihm durch einen traurigen Anlass zuteil. Zur Beerdigung eines wirkungsmächtigen Tycoons und Freundes erhielt er eine persönliche Einladung nach Taipei, um eine Trauerrede zu halten – ein für Insider enormer Vertrauens- und Achtungsbeweis. Irgendwann gelangte er – mehr zufällig – auf eine philippinische Insel, die mittlerweile als sein erstes Zuhause gelten kann. Boracay Island ist 10 Quadratkilometer groß, beherbergt 15.000 Einwohner und ist ein wahr gewordenes Postkartenmotiv. Mehr als 100 Hotels beherbergen 700.000 Gäste im Jahr. Der 3,5 Kilometer lange White Beach ist das Schlüsselsymbol des Eilandes. Kristallklares Wasser trifft dort auf feinen, weißen Sand; Palmenhaine spenden kühlen Schatten. Inmitten des pazifischen Inselidylls fand Tobias Möckel dann auch sein neues, privates Glück. Seit 2006 verbringt er möglichst viel Zeit mit seiner einheimischen Lebensgefährtin Janice und den gemeinsamen Töchtern Angel und Sunshine auf Boracay. „In Boracay kann man prima ausspannen. Das tropische Klima und die gute Laune der Urlauber lassen die Problemchen des Lebens einmal hinten anstehen. Aber nach einigen Wochen hält es mich dann doch nicht mehr und ich will und muss wieder los“, verrät der vielbeschäftigte Unternehmer. Immer wieder bricht er so von der Insel auf, um sich um seine Firmen, Niederlassungen und asiatischen Beschaffungspartner zu kümmern. Hong Kong, Taiwan, Guangzhou sind dabei die häufigsten Stationen. Und einmal in zwei Monaten begibt sich der Inhaber der Cathay-Pacific-Goldcard nach Europa, ins Vogtland, nach Treuen, in seine andere aber immer noch vertraute Heimat. Dann ist er der gute Nachbar, der Vertraute und kein bisschen abgehoben; dann ist es, als sei er nie weggewesen.